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Die Selektion ist die eigentliche wissenschaftliche Arbeit im Labor: aus dem Gesamtbestand die Proben herausfinden, die zu einer Fragestellung passen – und sie anschließend für dieses Projekt festhalten, damit sie niemand anders aufbraucht.
Sie finden den Arbeitsplatz im Laborbereich im Baumzweig Selektionen. Die zugehörigen Schaltflächen stehen im Ribbon in der Gruppe Selektion.
Ein Klick auf Neu legt eine Selektion an und stellt sie als Kindknoten unter „Selektionen". Sie können sie sofort benennen – der Name ist später das, woran das Projekt wiedererkannt wird, also lohnt sich ein sprechender Titel.
Im oberen Teil erscheint der Abfrageeditor, wie Sie ihn aus dem Abfragemodul kennen: Bedingungen lassen sich in Gruppen fassen, mit „Alle der folgenden" beziehungsweise „Einer der folgenden" verknüpfen und beliebig schachteln. Eine neue Selektion ist mit einem sinnvollen Beispiel vorbelegt, das Sie einfach abändern.

Der Parameterbaum enthält zwei Gruppen. Zum einen die Eigenschaften der Probe:
•Probenart – Mehrfachauswahl aus allen konfigurierten Materialien. Anders als in den Dialogen, in denen eine Abnahme angelegt wird, stehen hier auch die reinen Aliquot-Materialien zur Wahl – etwa Serum oder PBMC aus Vollblut. Wer ein Aliquot sucht, muss dessen eigene Probenart wählen, nicht die des Ausgangsmaterials;
•Abnahmedatum – als Zeitraum oder Vergleich;
•Restmenge – etwa „mindestens 500", um Röhrchen auszuschließen, aus denen nichts mehr zu holen ist;
•Auftau-Zyklen – für Fragestellungen, bei denen die Zahl der Frier-Tau-Wechsel eine Rolle spielt;
•Reservierung – üblicherweise „nicht reserviert", damit keine bereits verplanten Proben im Ergebnis landen;
•Maximale Anzahl – begrenzt das Ergebnis, wenn für ein Projekt nur eine bestimmte Zahl an Proben gebraucht wird.
•Eine Probe je Patient – ja/nein, siehe unten.
Diese Merkmale stehen im Parameterbaum unter Basisdaten (Proben).
Zum anderen die freigegebenen Patientendaten: Diagnose, Geschlecht, Laborwerte und was sonst im Dictionary für das Labor freigeschaltet ist (siehe Freigabe von Patientendaten). Nicht freigegebene Felder erscheinen im Baum gar nicht erst – ein reiner Laborzugang kann also auch versehentlich nicht nach ihnen suchen.
Mindestens eine Bedingung auf die Probenart ist Pflicht; ohne sie weist der Editor die Abfrage mit einem Hinweis zurück. Der Grund ist praktischer Natur: eine Selektion ohne Materialangabe liefert quer durch den ganzen Bestand alles, was es gibt, und ist damit nie das, was gemeint war.
Unabhängig von den gewählten Bedingungen fallen Proben heraus, die es physisch nicht mehr gibt: alles im Status Aufgebraucht und alles mit Restmenge 0. Eine nicht erfasste Restmenge schließt dagegen nicht aus – sie bedeutet „unbekannt", nicht „nichts mehr da". Ebenfalls außen vor und wie überall in den Arbeitslisten sind Proben, die aus dem Bestand genommen wurden: archivierte, vernichtete und fachlich gesperrte. Bei einer gesperrten Hauptprobe fallen zusätzlich ihre Aliquots heraus: Was am Ausgangsmaterial fachlich nicht stimmt, stimmt in den Portionen daraus auch nicht.
Beides ist allerdings Handarbeit: Den Status Aufgebraucht setzt jemand über das Status-Menü, die Restmenge wird im Probendialog gepflegt. EMIL leitet das eine nicht aus dem anderen ab. Damit diese Ausschlüsse etwas nützen, muss das Labor also pflegen, was verbraucht ist – sonst bleiben leere Röhrchen in den Trefferlisten stehen.
Das gilt ausdrücklich auch für die aufgeteilte Hauptprobe: Beim Aliquotieren bleiben sowohl ihr Status als auch ihre Restmenge unverändert – die Menge, die Sie im Aliquotierdialog angeben, gehört zu den neuen Aliquots. Wenn nach dem Aufteilen nichts mehr im Ausgangsröhrchen ist, tragen Sie an der Hauptprobe die Restmenge 0 ein; sie gilt dann als Aufgebraucht. Von allein fällt sie nicht aus der Selektion; sie kommt lediglich selten zum Zug, weil Aliquots vor Hauptproben sortieren.
Für eine Studie braucht man in aller Regel ein Röhrchen je Person, nicht das ganze Depot. Genau das leistet die Option Eine Probe je Patient: Von allen Treffern eines Patienten bleibt genau einer stehen.
Welcher das ist, entscheidet eine feste Reihenfolge:
1.Aliquots vor Hauptproben. Ein Aliquot ist die kleinere Einheit – wer die Hauptprobe reserviert, blockiert das gesamte Material dieser Abnahme.
2.Die älteste Abnahme zuerst, damit alterndes Material zuerst verbraucht wird. Eine Probe ganz ohne Abnahmezeitpunkt landet dabei hinten, nicht vorn.
3.Bei gleicher Abnahme das zuerst entstandene Röhrchen – also Aliquot 1 vor Aliquot 2, in derselben Reihenfolge, in der auch die Nummern vergeben wurden.
Gibt es für einen Patienten kein passendes Aliquot, greift die Regel von selbst auf die Hauptprobe zurück – sofern die nicht schon über die Ausschlüsse oben herausgefallen ist.
Zusammen mit der Maximalen Anzahl verhält es sich so, wie man es erwartet: Die Begrenzung wirkt auf die bereits reduzierte Menge. „Eine Probe je Patient" plus „maximale Anzahl 20" liefert also Proben von bis zu zwanzig verschiedenen Patienten, nicht zwanzig Röhrchen derselben Person.
Bei jeder neuen Selektion steht die Option auf „ja". Wer wirklich alle Treffer braucht, stellt sie auf „nein" oder entfernt die Bedingung. Bereits gespeicherte Selektionen aus der Zeit davor kennen den Punkt nicht und liefern unverändert alle Treffer – eine abgelegte Abfrage soll ihr Ergebnis nicht stillschweigend ändern.
Mit Selektieren führen Sie die Abfrage aus; das Ergebnis erscheint unten in der Liste. Es wird dabei eingefroren und an der Selektion festgehalten: Wenn Sie die Selektion später wieder anwählen, sehen Sie genau die Proben, die seinerzeit getroffen wurden – nicht das, was dieselbe Abfrage heute liefern würde. Für ein laufendes Projekt ist das der einzig brauchbare Zustand.
Die Abfrage selbst wird bei jeder Änderung automatisch an der Selektion mitgespeichert; ein eigener Speichern-Schritt entfällt.
Für die beiden Fälle, die man an einer Selektion braucht, gibt es zwei getrennte Schaltflächen. Beide fragen vorher nach, und in beiden Fällen bleiben die Proben selbst unberührt – gelöscht wird immer nur die Selektion beziehungsweise ihr Ergebnis.
•Leeren verwirft nur das eingefrorene Ergebnis und hebt die Reservierungen dieser Selektion auf. Die Abfrage bleibt erhalten, und Selektieren ist danach wieder bedienbar. Das ist der Weg, wenn Sie dieselbe Fragestellung mit dem heutigen Bestand noch einmal stellen wollen.
•Löschen entfernt die Selektion vollständig – Abfrage, Ergebnis und Reservierungen. Der Eintrag verschwindet aus dem Baum.
Im Baum stehen alle Selektionen des Hauses, nicht nur die eigenen; hinter dem Titel einer fremden Selektion steht, wem sie gehört. Fremde Selektionen sind aber schreibgeschützt – in der Kopfzeile steht dann „(fremde Selektion – schreibgeschützt)".
•Erlaubt ist alles Lesende: ansehen, die Abfrage im Editor betrachten und das eingefrorene Ergebnis nach Excel exportieren.
•Gesperrt ist alles Schreibende: umbenennen, leeren, löschen, erneut selektieren (das würde die Treffermenge überschreiben), reservieren und freigeben. Im Editor dürfen Sie an einer fremden Abfrage probieren – gespeichert wird nichts.
Es gilt dieselbe Regel wie bei fremden Reservierungen: Über eine fremde Selektion darf hinweggehen, wer Systemadministrator ist oder das Recht Bioproben: Listen konfigurieren, fremde Reservierungen aufheben besitzt. Eine Selektion ohne Eigentümer gilt als herrenlos und ist für jeden änderbar. Ohne diesen Weg ließe sich eine Probenmenge, die eine ausgeschiedene Kollegin reserviert hat, nie mehr freigeben.
Export gibt das Selektionsergebnis nach Excel aus. Der Export ist de-identifiziert: Er enthält weder Namen noch Kennnummern, und das Geburtsdatum erscheint als Alter bei Probe in vollendeten Jahren, kalendarisch gerechnet wie in der Patientenakte (siehe Freigabe von Patientendaten). Die Datei hat einen festen Spaltensatz – Probencode, Material, Abnahmedatum, Alter, Geschlecht, Transportmedium, Aufbewahrung, Restmenge, Auftau-Zyklen und Studie. Sie können ihn also einem Projektpartner geben, ohne ihn vorher durchsehen zu müssen.
Brauchen Sie darüber hinaus die im Dictionary freigegebenen Felder, nehmen Sie stattdessen die Laborliste – sie hängt für jedes freigegebene Feld eine eigene Spalte an.
Mit Reservieren halten Sie alle Proben der Selektion für ein Projekt fest. Eine Selektion reserviert dabei immer als Ganzes – der Grund hängt an der Selektion, nicht an ihren einzelnen Proben.
Der Grund beziehungsweise Projektname ist Pflicht und wird ausgewählt, nicht getippt. Die Liste pflegen Sie im Konfigurationsdialog auf dem Reiter „Reservierungsgründe" (siehe Probenkonfiguration). Der Grund dafür ist banal, aber wichtig: würde jeder seinen Projektnamen frei eintippen, entstünden Schreibvarianten, und die Frage „welche Proben gehören zu Projekt X" wäre nicht mehr verlässlich zu beantworten.

•Ist noch kein Grund konfiguriert, erscheint statt des Dialogs ein Hinweis darauf.
•Ist genau einer konfiguriert, ist er vorgewählt.
•Beim erneuten Reservieren derselben Selektion ist der zuletzt hinterlegte Grund vorbelegt, damit er nicht unbemerkt ausgetauscht wird. Ein inzwischen stillgelegter Grund wird dabei weiterhin angeboten, solange er an dieser Selektion hängt.
Einzelne Proben lassen sich unabhängig davon über das Kontextmenü der Probenliste reservieren und wieder freigeben.
Reservierte Proben erkennen Sie in jeder Liste an einem Schloss in der vordersten Spalte. Der Baumzweig Reserviert sammelt sie; dort heißt die letzte Spalte Reserviert für und nennt den Grund und in Klammern den Benutzer, der reserviert hat. Hat eine Selektion keinen eigenen Grund, springt ihr Titel ein. Aliquots erben die Reservierung ihrer Hauptprobe.

Freigeben hebt die Reservierung einer ganzen Selektion wieder auf. Die Selektion und ihr eingefrorenes Ergebnis bleiben dabei erhalten – nur die Sperre auf den Proben fällt weg. Soll auch das Ergebnis weg, nehmen Sie Leeren; soll die Selektion ganz verschwinden, Löschen.
Aufheben darf eine Reservierung zunächst nur, wer sie angelegt hat. Über eine fremde Reservierung darf hinweggehen, wer Systemadministrator ist oder das Recht Bioproben: Listen konfigurieren, fremde Reservierungen aufheben besitzt. In einer reinen LISA-Installation ist dieses Recht der einzige Weg – es gibt dort keinen Systemadministrator –, und ohne ihn ließe sich die Reservierung einer ausgeschiedenen Kollegin nie mehr auflösen. Reservierungen aus der Zeit vor dieser Regel tragen keinen Besitzer und dürfen von jedem aufgehoben werden.
Die Reservierung ist damit die einzige Aktion im ansonsten rechtefreien Laborbereich, die an eine Person gebunden ist. Wann sie gesetzt und wann sie aufgehoben wurde, steht wie alles Übrige im Audit-Trail der Probe.
Eine Reservierung ist keine Garantie auf das Material. Wird eine Probe archiviert, fachlich gesperrt oder vernichtet, dann steht sie für kein Projekt mehr zur Verfügung, und EMIL zieht daraus sofort die Konsequenz:
•Die Reservierung wird aufgehoben, samt Grund und Besitzer.
•Die Probe wird aus allen Selektionen entfernt, auch aus fremden und auch aus deren eingefrorenem Ergebnis. Die Selektion selbst bleibt bestehen, sie enthält danach eine Probe weniger.
•Wird eine Hauptprobe archiviert, gilt das auch für ihre Aliquots, weil die mit archiviert werden.
Bevor es dazu kommt, weist eine eigene Rückfrage darauf hin, und zwar nur dann, wenn wirklich eine Reservierung oder eine Selektionszugehörigkeit an der Probe hängt. Bei einer einzelnen Probe nennt sie zusätzlich, wer reserviert hatte, bei einer ganzen Markierung die Zahl der betroffenen Proben. Dahinter steckt eine organisatorische Absicht: Das Programm kann niemanden benachrichtigen, aber es kann demjenigen, der die Probe aus dem Bestand nimmt, sagen, dass jemand anderes mit ihr gerechnet hat. Diese Person zu verständigen bleibt Aufgabe des Labors.
Das gilt auch für den Weg über die Patientenakte: Auch das dortige „Löschen / Archivieren" und das Sperren lösen Reservierung und Selektionszugehörigkeit auf, mit derselben Rückfrage. Ohne die Lizenz LISA erscheint sie nicht, weil es dann weder Selektionen noch Reservierungen gibt.
Umgekehrt kommt beides nicht zurück, wenn eine archivierte Probe wiederhergestellt wird. Die Probe steht dann wieder im Bestand und ist frei; wer sie für ein Projekt braucht, selektiert oder reserviert sie erneut. Eine Reservierung stillschweigend wiederaufleben zu lassen wäre gefährlicher als sie neu zu setzen, denn in der Zwischenzeit kann das Projekt längst mit anderem Material weitergearbeitet haben.
Aus demselben Grund ist es sinnvoll, ein Projekt nicht mit einer einzigen Selektion für Monate zu planen, sondern das eingefrorene Ergebnis vor dem eigentlichen Zugriff noch einmal anzusehen: Ob eine Probe zwischenzeitlich weggefallen ist, sieht man dort, nicht am Röhrchen.